Von Hans Hofmann-Reinecke
Russland und die USA hatten sich nach Ende des kalten Kriegs darauf geeinigt, ihren Vorrat an strategischen nuklearen Waffen zu reduzieren. Diese Vereinbarung, genannt START, endet mit dem 5. Februar 2026. Welche Folgen wird das haben?
Eine Unterscheidung
START ist ein bilateraler Vertrag zwischen zwei Ländern, den USA und Russland. Dieses Abkommen wird manchmal mit dem NPT verwechselt, dem „Non Proliveration Treaty“ oder Atomwaffensperrvertrag. Letzteren schließen Nationen mit der Internationalen Atombehörde IAEA ab, und verpflichten sich damit, auf den Bau jeglicher Atomwaffen zu verzichten. 191 Staaten haben das NPT unterzeichnet, unter ihnen auch der Iran.
Das hat das Land allerdings nicht davon abgehalten, große Mengen von hoch-angereichertem Uran zum Bau von Bomben herzustellen. Der IAEA war das bekannt, sie hat jedoch keine Exekutivgewalt, um dagegen vorzugehen. Das übernahmen dann die USA mit der „Operation Midnight Hammer“ im Juni 2025. Sie bombardierten die nuklearen Anlagen in Fordow, Natanz and Isfahan.
Dr. Seltsam und die Liebe zur Bombe
„START“ ist eine ganz andere Sache. Das „Strategic Arms Reduction Treaty“ ist eine bilaterale Vereinbarung zwischen den USA und Russland zum Abbau, bzw. der Limitierung der Vorräte an strategischen Waffen. Diese Vereinbarung endet am 5.2.2026. Aber was sind „Strategische Waffen“?
Es sind Bomben, die ein Land davor schützen sollen, attackiert zu werden. Allein ihr Besitz signalisiert einem potenziellen Angreifer: „Wenn du versuchst uns anzugreifen, dann vernichten wir dich in fünf Minuten.“ Für USA und Russland bedeutet das, sie würden sich gegenseitig vernichten, falls einer zu schießen anfängt. Diese Situation wird als „Mutually Assured Destruction“, abgekürzt MAD bezeichnet – was gewisse Wortspiele nahe legt. Die Aussicht auf gegenseitig garantierte Zerstörung hält kluge politische Entscheider natürlich davon ab, die erste Bombe zu werfen. Aber was, wenn durch technischen Defekt eine Rakete startet oder ein wahnsinniger Militär durchdreht, und die erste Bombe abwirft?
Genau das hat der Regisseur Stanley Kubrick in „Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ vorhergesehen. Ein durchgeknallter General der Airforce schickt sein Geschwader von Atombombern zum Angriff auf Russland. Ein Bomber trifft dann ausgerechnet die „Weltvernichtungsmaschine“. Der Film ist von 1964, ein Hauptdarsteller ist die Boeing B52, die noch heute, 62 Jahre danach, zum strategischen Arsenal der US-Luftwaffe gehört.
Strategisch und taktisch
Die gute Nachricht ist also, dass „strategische“ Atomwaffen wohl nie zum Einsatz kommen werden, ihr Besitz allein dient der Abschreckung. Es gibt aber auch „taktische“ Atombomben für das Schlachtfeld. Die zerstören dann „nur“ Infrastruktur wie Flugplätze, Häfen oder Fabriken – oder eben Städte wie Hiroschima und Nagasaki.
Taktische Bomben basieren meist auf Spaltung der Atomkerne von Uran oder Plutonium, so wie die Kernreaktoren, die einst in Deutschland und heute noch im Rest der Welt Strom erzeugen. Die zerstörerische Energie der strategischen Bomben kommt aus der Fusion von Atomkernen des Wasserstoffs, daher auch der Name Wasserstoffbombe. Diese Energiequelle friedlich zur Stromerzeugung zu nutzen, daran beißen sich Physiker und Ingenieure seit Jahrzehnten die Zähne aus. Bisher ohne Erfolg.
Die zerstörerische Kraft der Bomben wird durch die Menge des konventionellen Sprengstoffs TNT angegeben, die den gleichen Effekt hätte. Bei taktischen Atombomben sind das in der Größenordnung von zehntausend Tonnen, bei strategischen Millionen, da reden wir von Megatonnen. Die Bombe selbst wiegt aber nur eine Tonne.
All das ist kompletter Wahnsinn, aber hin und Wieder gibt es auch einen Funken der Vernunft.
Ivan und Joe 1.0, Januar 1991 (Satire)
In Anlehnung an Kubricks Film, hier ein fiktives Gespräch zwischen dem amerikanischen und russischen Präsidenten.
„Hör mal Ivan, wir können doch auf Augenhöhe mit einender reden. Ist das nicht alles ein Wahnsinn? Wir haben beide die Regale voll mit diesen Wasserstoffbomben. Genug, um uns gegenseitig und den Rest der Welt für immer platt zu machen. Warum hören wir nicht damit auf, immer neue und mehr von den Dingern zu produzieren. Bringt doch nichts, außer dass wir Dollars und Rubel zum Fenster rausschmeißen. Und dass irgendwann doch mal was schief geht. Wie in diesem Film.“
„Ich geb dir Recht Joe, aber nicht nur die Bomben, auch diese ganzen Raketen und Flieger und Uboote und all dieser Kram kosten ein Vermögen. Ich schlag vor, wir machen eine Liste, wie viel wir von alldem höchstens auf Lager halten wollen. Ja, und irgendwie sollten wir uns dabei gegenseitig über die Schulter schauen können. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
„Du bist ein heller Kopf, Ivan. Wir sollten unsere strategischen Waffen reduzieren, wir sollten ein Strategic Arms Reduction Treaty machen – ein START. Aber auf jeden Fall müssen wir aber genug von dem Zeug behalten, um uns gegenseitig vernichten zu können.“
„Das ist Ehrensache Joe“.
Zahlen und Systeme
Das erste START wurde 1991 vereinbart und legte folgen Obergrenzen fest:
Auf Interkontinentalraketen (ICBM) montiert: 1600
Von U-Booten abzufeuern: 1100
Auf Langstreckenbombern montiert: 1000
Im Jahr 2010 wurde ein „New START“ unterschrieben, mit aktualisierten Zahlen. Ab jetzt war die Zahl der Sprengköpfe je Waffengattung auf 700 limitiert. Die Sprengkraft jeder Bombe liegt vermutlich im Bereich 100-500 Kilotonnen TNT, wird aber im Rahmen von START nicht kontrolliert – und könnte auch nicht kontrolliert werden, ohne jede Bombe zu zerlegen. Ihre Anzahl wird aber vor Ort von Inspektoren des jeweils anderen Landes geprüft, ebenso wie die der Flugzeuge, der ballistischen Raketen und der Uboote.
New START war bis 5. Februar dieses Jahres in Kraft, wurde aber nicht verlängert.
Ivan und Joe 2.0, Januar 2023 (Satire)
„Du Joe, du hast sicherlich davon gehört, dass der Feind im Dezember 2022 ein paar von unseren Bombern angegriffenen hat. Die hatten wir da oben in Sibirien im Freien geparkt, damit eure Satelliten sie sehen konnten – wegen START und so. Das waren Tupolev 95, euer Codename dafür ist „Bear“, alte Dinger, das hat uns nicht weiter weh getan. Aber auch Tu 160 „Blackjack“ haben die mit ihren Drohnen kaputt gemacht. Das war nicht gut. Wir fragen uns, woher die Ukrainer die Koordinaten hatten. Hast Du eine Idee?“
„Das tut mir aber Leid lieber Ivan. Nein ich habe nichts davon gehört. Aber ich weiß, dass unsere Jungs im Pentagon einen Riesenrespekt vor diesem Blackjack haben. Das Ding fliegt 14.000 km weit und das mit Mach 2. So etwas haben wir nicht. Die Koordinaten? Bestimmt nicht von uns. Wir sind doch Freunde Ivan.“
„In der Politik gibt es keine Freunde, nur Interessen. Und wir haben jetzt kein Interesse mehr an diesem START und seinen Inspektionen. Da sswidanja towarischtsch.“
Im Februar 2023 hat Russland weitere Inspektionen untersagt. Damit ist START de facto schon vor drei Jahren gescheitert, nicht erst mit dem Auslaufen des Vertrags am 5. Februar 2o26.
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