Gesetzgeber als Gesetzesbrecher

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CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzender Jens Spahn und sein Mann sind im Papa-Glück, liest man dieser Tage in der Presse. Dass die beiden glücklichen Papas in diesem Zusammenhang etwas getan haben, das in Deutschland einen Gesetzesbruch darstellt, scheint niemanden zu stören. Es erfolgt lediglich ein neutraler Hinweis, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist. Die wenigsten erwähnen dabei, dass die Leihmutterschaft oft unter Tatbestand des Menschenhandels fällt. Die Frage nach den Lebensbedingungen der Mutter, ob sie sich in einer Notsituation befunden hat oder ob Span Verantwortung übernimmt für ihr weiteres Schicksal, wird nicht gestellt.

Als Gesundheitsminister hat Spahn einen Vorstoß der FDP scharf zurückgewiesen, Leihmutterschaft zugunsten ungewollt kinderloser Paare zu legalisieren. Nun umgeht er das von ihm unterstützte Verbot öffentlich und lässt sich dafür feiern. Seine Partei schweigt weitgehend dazu. Lediglich die Frauenunion Thüringen und der Landesvorsitzende aus Mecklenburg-Vorpommern fordern Spahns Rücktritt vom Fraktionsvorsitz. Auch der Bundeskanzler schweigt, von dem man gern wüsste, ob er im Vorfeld über den beabsichtigten Gesetzesbruch informiert wurde und ob er ihn gebilligt hat. „Gesetzgeber als Gesetzesbrecher“ weiterlesen

Satire darf alles? Nicht im besten Deutschland aller Zeiten

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Uwe Steimle ist ein in der Wolle gewaschener Linker. Befreundet mit Gregor Gysi, der das heute wahrscheinlich lieber nicht mehr hören möchte. Steimles Witze wurden von den Linken geliebt und bejubelt, als sie sich gegen die bösen Imperialisten und gegen Helmut Kohl richteten.

Mit dem Steimle, der seine Heimat, nicht nur die sächsische, sondern Deutschland als Kulturnation liebt, kommt die heutige woke Linke immer weniger klar. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn.

Anlass ist eine Veranstaltung der AfD in Dessau, auf der Steimle den Saal mit seinen Witzen zum Kochen brachte. Dabei ging er Merkel hart an, wie er es seinerzeit auch mit Kohl gemacht hat. Was damals mit frenetischem Beifall der Linken bedacht wurde, ist heute Anlass zur Aufnahme von Ermittlungen nach § 126 des Strafgesetzbuches, der die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten sanktioniert. Interessant ist, dass der berüchtigte § 188, der Politiker vor Beleidigungen schützt, außen vor bleibt. Wahrscheinlich war der Staatsanwaltschaft klar, dass dies nicht den gewünschten Abschreckungseffekt gebracht hätte. „Satire darf alles? Nicht im besten Deutschland aller Zeiten“ weiterlesen

Grenzverletzung – Eine Novelle / Das Beben von Berlin – Bilder einer Ausstellung

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Es gibt zwei Erfindungen der DDR: Die Mauer, mit Tarnnamen Antifaschistischer Schutzwall und Zersetzungsmaßnahmen.

Die Mauer prägte während des Kalten Krieges die scheinbar unüberwindliche Architektur Europas. Sie trennte Osteuropa vom freien Westen – bis sie über Nacht ihrer Funktion beraubt wurde. Sie stand noch da, war aber bereits Legende. Der Fotograf Heiner Studt unternahm im Spätherbst  1990 mit Frau und Kind eine Fahrradtour entlang der Mauer und fotografierte den Zustand kurz vor dem Abriß des Bauwerks, das doch noch 100 Jahre stehen sollte. Die Ödnis der Brache atmete nicht mehr das Grauen der Teilung, und ihren ihren Irrwitz. Studt wußte , dass die Magie des Ortes bald zugekleistert sein würde, also dokumentiert werden musste. Die Fotos, die damals im einstigen Niemandsland entstanden, wurden zur Grundlage von Studts grafisch aufbereiteter Serie „Das Beben von Berlin“. „Grenzverletzung – Eine Novelle / Das Beben von Berlin – Bilder einer Ausstellung“ weiterlesen

Schwarzbuch Staatsfunk

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Immer mehr Menschen wird mittlerweile klar, dass die Presse, insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sender, eine erhebliche Mitschuld an den gegenwärtigen Verhältnissen haben, in denen man nicht mehr sicher sein kann, was wahre Begebenheit oder Propaganda ist.

Am Letzten Wochenende fand in Erfurt am Rand einer „friedlichen“, aber gegen die Verfassung gerichteten Demonstration, indem man die AfD daran hindern wollte, ihre von der Verfassung vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen, eine Hetzjagd auf Journalisten statt,. Im ZDF wurde die Demo als „Fest der Demokratie“ gefeiert und das Eintreten auf am Boden liegende Menschen ausgeblendet.

Ähnliche groteske Verzerrungen der Wirklichkeit finden seit Jahren statt, weil die Presse, die entweder durch Zwangsgebühren finanziert oder mit Steuergeldern alimentiert wird, ihren demokratischen Auftrag, den Regierenden auf die Finger zu schauen und Kontrolle über politische Entscheidungen auszuüben, stillschweigend an den Nagel gehängt hat. Sie ist zur inoffiziellen Regierungssprecherin verkommen. „Schwarzbuch Staatsfunk“ weiterlesen

Carl Maria von Weber als Höhepunkt der Sondershäuser Schlossfestspiele

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Von Carl Maria von Weber kennt man vor allem den „Freischütz“. Er hat aber noch andere Opern geschrieben. Eine davon „Abu Hassan“ entstand nach seine Erfahrungen als „geheimer Sekretär“ eines Fürsten Louis in Stuttgart. Er musste verschiedene Angelegenheiten, ua. auch die Geldfragen seines Gebieters regeln. Der nahm es nicht so genau und war in allerlei undurchsichtige Angelegenheiten verwickelt, in die Weber reingezogen wurde. Als die Sache aufflog, landete Weber sogar kurzzeitig im Gefängnis. Um von sich abzulenken, wies der Herzog Weber aus Württemberg aus.

Fortan führte der Komponist genau Buch über seine Ausgaben und konnte später alle seine Schulden zurückzahlen. Seine Erfahrungen verarbeitete er in der Oper Abu Hassan. „Carl Maria von Weber als Höhepunkt der Sondershäuser Schlossfestspiele“ weiterlesen

From stone age to drone age

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Von Hans Hofmann-Reinecke

Die Meilensteine menschlicher Entwicklung sind gekennzeichnet durch Erfindungen, die es ermöglichen, andere Menschen zu töten, ohne dabei das eigene Leben zu riskieren. Mit dem technischen Fortschritt der Menschheit stieg die Zahl der Todesopfer exponentiell an.

Fortschritt

Stanley Kubricks epochaler Film „2001: Odyssee im Weltraum“ startet mit einer detallierten Analyse von Fortschritt: ein Höhlenmensch, genannt „Moon-Watcher“, hantiert am Skelett eines Tapirs und entdeckt ganz spielerisch, dass der Knochen des Oberschenkels ein hervorragendes Schlagwerkzeug sein könnte. Er phantasiert, wie man damit einen Angreifer in die Flucht schlägt, und von diesem Moment an war seine Sippe beim Kampf um den Zugang zur Wasserstelle den konkurrierenden Horden haushoch überlegen.

Das ging nur so lange gut, bis die Feinde sich ebenfalls mit solchen Knüppeln bewaffnet hatten. Moon-Watcher musste sich jetzt etwas Neues einfallen lassen. Sein Nachfahre David erfand die Steinschleuder und erlegte mit ihrer Hilfe den Riesen Goliath. Dann kamen Pfeil und Bogen und schließlich erfand ein besonders intelligenter „Moon-Watcher“ das Schießpulver. Schusswaffen machten es den Kolonialmächten dann leicht, die Ureinwohner Nordamerikas oder Afrikas zu unterwerfen. „From stone age to drone age“ weiterlesen

Ein Nachruf

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Von Peter Schewe

Als ich wieder mal bei meinen Büchertanten, sie betreiben hier seit Jahren einen ‚Bücherstube‘ genannten, kleinen Buchladen, ein Buch bestellen wollte, las ich einen Zettel an der Tür: „Zu verkaufen“ und „Gutscheine werden nur noch bis 30.09.26 eingelöst“.

Warum das?

Es sind die Umsatzrückgänge der letzten zwei Jahre, die einen Weiterbetrieb nicht mehr möglich machen. Die Leute lesen offenbar nicht mehr oder kaufen die Bücher online. Auch die Buchverweise bei Vera Lengsfeld landen bei Amazon, ein weiterer Klick und schon ist das Buch auf dem Wege.

Und wenn überhaupt noch gelesen wird, dann im Internet oder auf E-Books. Und so verschwindet sang- und klanglos eine Branche, die ja viel mehr war, als nur eine Buchverkaufsstelle.

Hier wurde geplaudert, über gelesene Bücher sich ausgetauscht, konnten bei Lesungen Autoren persönlich erlebt werden und auch mal nur der übliche Dorftratsch ausgetauscht. Unschlüssige oder im Umgang mit Büchern verunsicherte Käufer wurden beraten, oft hörte ich die Frage: Was können sie mir für einen 10-Jährigen empfehlen? „Ein Nachruf“ weiterlesen

Das Beben von Berlin – Grenzverletzung

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Von Christoph Ernst

Mitunter stehen die Gespenster gestriger Epochen quicklebendig wieder auf und bitten zum Tanz. Ich entsinne mich, wie nach Öffnung der Mauer neben dem Reichstag das Kopfsteinpflaster und die Straßenbahnschienen aus der Kaiserzeit zum Vorschein kamen. Sie hatten die zweite deutsche Revolution und die Weimarer Republik überdauert, bevor der Reichstagspräsident und preußische Innenminister Hermann Göring den Brand im Parlamentsgebäude nutzte, um Hitlers Ermächtigungsgesetz die Bühne zu bereiten, was auf dem Umweg über Warschau und Stalingrad zwölf Jahre später den Untergang des Deutschen Reichs besiegelte und das einst stolze Herz der märkischen Metropole in eine Schuttwüste verwandelte. Neben der Ruine des Reichstags, die nur noch ein granatsplittervernarbtes, rußgeschwärztes Zeugnis der eigenen Hybris war, rasselten nun die Ketten sowjetischer T-34-Panzer. Dann verschwand das Pflaster unter Asbestbeton und Asphalt: Am 13. August 1961 ließ Walter Ulbricht den Ostsektor der Stadt über Nacht mit Spanischen Reitern und Panzerspähwagen absperren. Baubrigaden errichteten entlang der Grenze die ins Monströse aufgeblasene Karikatur einer Ghetto-Mauer. Damit war das letzte Schlupfloch aus der Arbeiter- und Bauernrepublik nach Westen verriegelt. Als „antifaschistischer Schutzwall“ annonciert, produzierte die tödliche Barriere über die nächsten 28 Jahre Hunderte von Opfern. Ständig erweitert und verfeinert, schützten Sichtschutzzäune, Bogenlampen, maschinenbewehrte Wachtürme, Kolonnenwege und Scheinwerfer Stalins sozialistisches Staatskonstrukt, bis es im 40. Jahr seines Bestehens implodierte. Bei einer Pressekonferenz anlässlich der Tagung des Zentralkomitees der SED verhaspelte sich das Politbüromitglied Günter Schabowski vor laufenden Kameras. Der ihm kurz zuvor angereichte Zettel mit den Details zur geplanten Reisefreiheit verleitete den als „harten Hund“ bekannten Schabowski zu der irrigen Auskunft, die neue Regelung trete „sofort“ und „unverzüglich“ in Kraft. Live übertragen, verbreitete sich die Nachricht in kürzester Zeit. Tausende Ostberliner strömten zu den Grenzübergängen nach Westen. An der Bornholmer Straße gaben die überforderten Grenzer dem Drängen der Menge zuerst nach und lösten eine Kettenreaktion aus. Mit der Berliner Mauer fiel die innerdeutsche Grenze. „Das Beben von Berlin – Grenzverletzung“ weiterlesen

Warum schreibe ich immer wieder über die Bahn?

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Warum schreibe ich immer wieder über die Bahn? Sie ist das Menetekel für Deutschland das immer noch übersehen wird.
Das ich mit meiner Einschätzung nicht allein stehe, davon zeugt folgender Leserbrief:

Liebe Vera,

Ihren Artikel “Kollabiert die Bahn …” habe ich auf “Achgut” gelesen
und möchte nur kurz mal vom Nahverkehr berichten:
Mein Sohn (20, Benutzer des Deutschland-Tickets) wollte vergangenen
Freitag zu einem Konzert in einem kleinen Ort, 17 km von Mannheim entfernt. Er fuhr schon um 18:30 mit der Straßenbahn los (Konzertbeginn 20 Uhr). Um 19:40 rief er mich dann an. Gestrandet an einem Bahnhof 9 km vorm Ziel. Der vorherige Zug ausgefallen, der nächste auch.

Versucht man also in Deutschland 2026 eine Strecke (gut angebunden
übrigens, beide Orte sind im DB-Netz) von 17 km zurückzulegen, braucht
man im regulären Betrieb 45 min (Geschwindigkeit also 22 km/h). Von
regulärem Betrieb leider keine Spur.
Es nutzt also auch nichts, wenn man schon zwei Zugverbindungen früher
losfährt …

Danke für Ihre Artikel!

LG
R.H.

Kunst schlägt Klima

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Die Premiere der zweiten Produktion der Schlossfestspiele Sondershausen „Songs for a New World“ fand am Tag des offenbar ersehnten Hitzerekords statt. Das allein ist schon ein Lob wert, denn deutschlandweit wurden bereits Veranstaltungen abgesagt. Ich konnte aus familiären Gründen nicht dabei sein und wich auf die zweite Aufführung aus.

Während am Freitag die Temperaturen bis zum Mittag noch sommerlich angenehm waren und die Hitze sich erst am Nachmittag und Abend aufbaute, sah das am Sonnabend anders aus. Die psychologisch wichtige 30-°C-Grenze wurde bereits am Vormittag überschritten. Auf allen Kanälen wurde Panik verbreitet. Meine Wetter-App warnte vor Gefahr für Leben und Besitz. Ich fragte mich, ob die Vorstellung abgesetzt werden würde. Aber das kleine gallische Dorf Sondershausen hielt stand. Intendant Daniel Klajner und die anderen dafür Verantwortlichen verdienen einen Tapferkeitsorden.

Als ich im Lustgarten ankam, war schon eine große Menge fröhlicher Zuschauer versammelt. Die längste Schlange hatte sich am Eiswagen gebildet, aber auch der Stand mit den Getränken war dicht umlagert. Viele wedelten sich mit weißen Fächern Kühlung zu – die musste jemand verteilt haben. Mein Programmheft leistete aber auch gute Dienste. Die alten Linden taten ihr Bestes, die warme Luft zu aromatisieren.

Die Vorstellung begann eine knappe halbe Stunde später. Ich vermutete, dass die 30-°C-Marke erst unterschritten werden sollte. Das war um 20.30 Uhr aber immer noch nicht der Fall. „Kunst schlägt Klima“ weiterlesen